Willy Brandt « Oser plus de démocratie », de la réalité au mythe. (DE)

Quand :
19 septembre 2017 – 20 septembre 2017 Journée entière
2017-09-19T00:00:00+02:00
2017-09-21T00:00:00+02:00
Où :
Freie Universität Berlin
Chausseestraße 111
10115 Berlin
Allemagne

„Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Antriebskräfte, Realität und Mythos eines Versprechens

Der Satz „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ aus der ersten Regierungserklärung des Kanzlers Willy Brandt von 1969 gilt als Leitspruch für die Phase der Reformen und der „Fundamentalliberalisierung“ der alten Bundesrepublik. Diese wissenschaftliche Konferenz hat zum Ziel, Brandts Ankündigung und ihre Folgen zu historisieren.

In den Blick genommen werden zunächst auch jene Kräfte, die teils schon weit vor 1968/69 eine Modernisierung, Liberalisierung und Demokratisierung von Staat und Gesellschaft forderten und beförderten. Sodann steht im Mittelpunkt, inwieweit die sozialliberale Regierung „mehr Demokratie“ verwirklichte und wie sie dieses Ziel mit den Bemühungen um mehr politische Planung in
Einklang brachte. Welche Hoffnungen, aber auch Befürch tungen weckte Brandts Versprechen? Wessen Erwartungen wurden erfüllt oder enttäuscht und wie wirkte sich die Zäsur des Krisenjahres 1973 aus?

Die inneren Reformen in der Bundesrepublik müssen darüber hinaus international eingeordnet werden. Wie fällt der Vergleich mit anderen westlichen Staaten aus, lassen sich wechselseitige Beeinflussungen feststellen und hatte die Demokratisierung im Westen auch Auswirkungen
auf die Länder östlich des „Eisernen Vorhangs“? Damit verbunden ist die Frage nach den Folgen und der Rezeptionsgeschichte von „Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Welche der Entwicklungen, wie das Entstehen neuartiger Formen zivilgesellschaftlichen Engagements, sind tatsächlich auf Willy Brandt und die sozialliberale Reformpolitik zurückzuführen? Lässt sich die These von der „Fundamentalliberalisierung“ aufrechterhalten? Oder haben sich wesentliche Teile der Liberalisierungs – und Demokratisie-rungsprozesse sowie des Wertewandels in der Gesellschaft erst seit den 1980er Jahren voll entfaltet?

Zum Abschluss wird eine öffentliche Podiumsdiskussion auch darüber debattieren, welche aktuelle Bedeutung Brandts vielzitierter Satz noch immer hat.

 

Dienstag, 19. September 2017

10.30–11.00 Uhr
Begrüßung und Einführung

11.00–13.30 Uhr
Panel 1: Herkunft und Antriebskräfte – Der Ruf nach „Modernisierung“ und „Demokratisierung“
in den 1950er und 1960er Jahren 
Chair: Axel Schildt (Hamburg)

Kristina Meyer (Jena): Die bundesdeutsche Nachkriegsdemokratie und ihre „Vergangenheitsbewältigung“

Jens Hacke (Halle): Demokratisierungs- und Modernisierungsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland der 1950/60er Jahre

Alexander Gallus (Chemnitz): „Revolution“, „freiheitlicher Sozialismus“ und „deutsche Einheit“. Sehnsuchtsorte nonkonformistischer politisch-intellektueller Akteure in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland

Kommentar: Eckart Conze (Marburg)

14.45–17.15 Uhr
Panel 2: Umsetzung und Grenzen – Die Realität von „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ in der Bundesrepublik Deutschland 1969–1974
Chair: Michael Ruck (Flensburg)

Dietmar Süß (Augsburg): „Mehr Demokratie wagen“ – Politische Praxis und sozialdemokratische Erfahrungen 1969–1974

Elke Seefried (München/Augsburg): „Die Zukunft in den Griff bekommen“. Zum Spannungsfeld
von Demokratisierung und politischer Planung in der sozial-liberalen Koalition 1969–1974

Bernhard Gotto (München): Vom Euphorierausch zum Desillusionierungskater? Enttäuschung in der bundesdeutschen Demokratie während und nach der Ära Brandt

Kommentar: Andreas Rödder (Mainz)

17.45–18.45 Uhr
Martin Sabrow (Potsdam): Zeit(w)orte in der Zeitgeschichte

 

Mittwoch, 20. September 2017

09.00–11.30 Uhr
Panel 3: Vorreiter oder Nachhut? „Mehr Demokratie wagen“ im internationalen Vergleich
Chair: Ingrid Gilcher-Holtey (Bielefeld)

Hélène Miard-Delacroix (Paris): „Von einem weniger zu einem mehr“? Die Demokratie zwischen Protest, Partizipation und Moderne in deutsch-französischer Perspektive

Philipp Gassert (Mannheim): Demokratisierung, Modernisierung und Protest in den USA und der Bundesrepublik Deutschland in den 1960/70er Jahren im Vergleich

Martina Steber (München): Angst um die Demokratie. Deutsche und britische Konservative und das linke Demokratieprojekt

Kommentar: Norbert Frei (Jena)

11.45–12.45 Uhr
Frank Bösch (Potsdam): „Mehr Diktatur wagen“? Der bundesdeutsche Umgang mit undemokratischen Staaten in den 1970/80er Jahren

14.00–16.30 Uhr
Panel 4: Folgen und Mythos – Die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte von „Wir wollen mehr
Demokratie wagen“ 
Chair: Claudia Weber (Frankfurt /Oder)

Knud Andresen (Hamburg): Radikalisierung oder Demokratisierung? Politisierte Jugendkulturen in den 1970er Jahren

Robert Brier (London): „Das Ende des ideologischen Zeitalters“: Menschenrechte, Ostpolitik und demokratischer Wandel in Mittel- und Osteuropa

Daniela Münkel (Berlin): Willy Brandt als Hoffnungsträger!? „Mehr Demokratie wagen“ und die DDR

Kommentar: Andreas Wirsching (München)

16.45–17.30 Uhr
Resümee und Schlussdiskussion

18.45–20.15 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion : „Mehr Demokratie wagen“ heute und morgen: Vom Auftrag zum Albtraum der Politik?

Teilnehmer/innen:
Heinz Bude (Prof. für Makrosoziologie, Kassel)
Wolfgang Gründinger (Autor und Zukunftslobbyist)
Christiane Hoffmann (Journalistin, Der Spiegel)
Paul Nolte (Prof. für Neuere Geschichte / Zeitgeschichte, Berlin)
Anja Reschke (Journalistin, NDR)

Moderation: Ulrich Schöler (Vorsitzender des Vorstands, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung)

 

Programme à télécharger : FB-Konferenz
Détail de la conférence à télécharger : Konferenz_Mehr_ Demokratie_2017